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Social Media & Mama-Sein

Aktualisiert: vor 2 Tagen

Ich hab da mal was vorbereitet...

Es war Sommer, ich dachte, ich ruhe mich kurz aus. Daddel bisschen auf Social Media und... Booom! Was es alles gibt für uns Mamas und wie wir zu sein haben und jedenfalls weiß ich jetzt, was ich für eine Mama bin. Oh oh oh... Von der "Erholung" ganz zu schweigen.


Eigentlich wissen wir das doch alle: Social Media regt an. Es triggert Reize und es informiert, ob es grade passt oder nicht. Es hagelt Infos ohne Ende. Aber nicht alle Infos sind hilfreich oder gerade passend oder richtig.


Heute habe ich für euch einen aktuelleren Trend gewählt. Vielleicht kennt ihr ihn schon?

Wir starten mit den Bildern, wie ich den Trend für euch umgesetzt habe:


(Eigenes Bildmaterial oder KI-erstellt über Canva, 11.08.2026.)


Hier kommen mal ein paar Fakten - für alle, die mal wieder lesen, statt scrollen wollen.


'Der Artikel' Motherhood and Media untersucht das komplexe Zusammenspiel von sozialen Erwartungen an die Mutterschaft und die Representationen von Müttern in verschiedenen medialen Formen. (deutsche Übersetzung) (2021)

Der erste Satz eines Abstract-Artikels von Dr. Elizabeth Rholetter Purdy, freie wissenschaftliche Autorin z.B. bei Britannica. Dabei beschäftigt sie sich mit dem Rollenbild und -verständnis von Müttern und den Auswirkungen auf die Gesellschaft bzw. wie der Effekt auf die Mütter zurückfällt. In historischem Kontext - denn Medien, gab es auch schon vor Social Media z.B. in Papierform. Dabei erforscht Purdy den gesellschaftlichen Druck und die Auswirkungen auf das Selbstbild über den Einfluss von medialer Darstellung der Mutterschaft.


In unserem Beispiel oben, sehen wir also ganz vereinfacht gesprochen, eine mediale Darstellung der Mutterschaft bei dem ein Trend das Selbstbild der Mütter und auch die gesellschaftlichen Meinung korrigierend beeinflussen möchte.


Ein weiterer Punkt: Die Fakten. Industrialisierung und Wohlstand haben es möglich gemacht - die meisten leben allein bzw. mit ihrer Familie fern der eigenen Familie. Tatsächlich gibt es nun einen Trend-Rückgang, denn immer mehr Familien bevorzugen wieder das Mehr-Generationen-Haus. Vor allem wegen zu hoher Mieten, aber auch z.B. wegen der Kinderbetreuung. Insgesamt bleibt es aber eine (noch) geringe Zahl, im Vergleich zu den nicht im Mehr-Generationen-Haus Lebenden. Das Statistische Bundesamt berechnet jedoch einen Anstieg der Privathausahlte: "Zwischen 2018 und 2040 wird die Gesamtzahl der Privathaushalte nach der Trendvariante (...) 2020 von 41,4 auf 42,6 Millionen steigen." Dabei flacht die Kurve zwar ab, was einen sinkenden Trend zum "alleine leben" darstellen könnte, gibt aber im wesentlichen auch nicht mehr Aufschluss über die Mehr-Generationen-Haushaltslage in 2040. Also unterm Strich: DIe Darstellung "Sie lebt mit den Großeltern und hat ein tolles einfaches Leben" ist derartig pauschal nicht nachweisbar.


Was sehen wir noch in den Bildern?

Genau: Extreme. Negativ-Infos im Vordergrund. Da schreit unser Hirn: "Will mehr." Das Prinzip ist allseits bekannt und selbst namenhafte Tageszeitungen nutzen diesen Effekt für ihre Titelseiten und Überschriften - auch die neutralen Blätter. (siehe weiterführende Quellen unten.)

Aber was ist das Extrem hier? Zum Beispiel ein Ehemann, der durch seine bloße Anwesenheit macht, dass die Frau auf dem 2. Bild, wie ein Laufsteg-Model durch die Stadt spaziert? Mit einer wahnsinns Kamera-Einstellung? Und einer Frisur, wie frisch vom Friseur? Oder triggert uns die Blitze-saubere Wohnung mit den Kindern, die durchschlafen, obwohl der Raum aussieht, als hätte er noch nie Kinder gesehen? Oder die Frau, die mal eben einen Sauerteig ansetzt? Bilder, die ästhetisch sind und doch so voll Druck und Dingen, die doch eigentlich keiner regelmäßig oder täglich macht?

In den USA aufgekommen, gibt es mittlerweile eine ganze Bewegung - die Tradwife-Bewegung - die auch hierzulande immer mehr das Mama-Rollenbild nährt.


Der Fall mit dem Ehemann:

Vor allem dieses Bild, scheint der Conterpart dieser Tradwife-Facette zu sein. Aber schauen wir auf die Fakten!

Die Bertelsmann-Stiftung gab im Januar 2025 ein Studie zu Männern im Haushalt raus. Demnach nehmen immer mehr Männer häusliche Pflichten wahr - allerdings überschätzen sie sich laut Umfrage auch. Im Ergebnis ist es noch ein weiter Weg, bis im häuslichen Umfeld eine Gleichberechtigung real stattfindet und Frauen so Lasten verlieren, um ihrer Erwerbstätigkeit nachzukommen. Weniger negativ ausgedrückt: Im Vergleich zur Generation unserer Eltern hat sich einiges schon verbessert.


"(...) bei den Befragten, die das Prinzip "Wir machen das gemeinsam" bejahen, geben Männer an, pro Woche 6,7 Stunden für den Haushalt zu investieren. Bei Frauen sind es 10,6 Stunden – also deutlich mehr. Noch eklatanter ist der Unterschied bei der Kinderbetreuung. In Paaren mit gemeinsamer Sorgeverantwortung investieren Männer nach eigener Einschätzung durchschnittlich 17,5 Stunden, bei Frauen sind es dagegen 27,5 Stunden pro Woche." (Bertelsmann Stiftung, Studie 2025.)


Und kommen wir nun zu einer Abhandlung, die alle Mütter auf Social Media in den Blick nimmt: "Instamoms: Visuelle Inszenierungen intensiver Mütterlichkeit in Social Media.

Eine Analyse der Darstellung von Müttern mit ihren Kindern auf Instagram." (deutsche Übersetzung) Ein Artikel in der Zeitschrift für Soziologie der Erziehung und Sozialisation von Helen Knauf und Susanne Mireau. (2021)

Die Kernaussagen fasst schon der Abstract wie folgt zusammen:

2wDigitale Soziale Netzwerke sind ein zentraler virtueller Treffpunkt für Eltern geworden, um dort Kontakte zu pflegen und ihre Familie aktiv zu gestalten. Gleichzeitig wird durch die Analyse von 238 Bildern eine starke Neigung zur Einheitlichkeit in der Bildgestaltung festgestellt. Vor allem die Bindung Mutter und Kind bzw. eine inszenierte Wärme, Natürlichkeit, Harmonie und Reinheit stehen dabei im Fokus. Ebenso wird an historische Muster in der traditionellen Darstellung von Mutter und Kind angeknüpft. Das führt dann wiederum dazu, dass Soziale Medien, (wie z.B. Instagram in dieser Analyse) Mutterschaftsstereotypen verstärkend normalisieren, anstatt sie aufzubrechen - wie man es von einer modernen Technologie paradoxerweise denken mag.


Ein ähnliches Phänomen sehen wir heute auch bei KI. So schreibt Hannah Lichtenthäler, studierte M.A. im Bereich Kultur, Meiden und Gender, über die Webseite des Verein Netzforma* e.V. in einem seiner Artikel "KI can't Care":

"Dieses Paradox zeigt die Doppelmoral, die Müttern aufgebürgt wird, sehr deutlich: Wer Mutter ist, ist für Fürsorge, Freude und Bodenständigkeit zuständig, gleichzeitig ist Muttersein mit Anstrengung verbunden." (2020) Weiter heißt es im Artikel, dass Mutterschaft oft der Kategorie Femininität zugeschrieben wird. Und umgekehrt, die Weiblichkeit mit Mutterschaft verknüpft wird. Die Ausarbeitung beschreibt dies als "(...) eine vergeschlechtliche Zuschreibung, die die Binarität der Geschlechter synonym zu Frau als biologische Einheit zementiert." - Also eine starke Zuordnung, die (fast) untrennbar zum Geschlecht scheint.


So viel Info und so wenig Zeit zum Lesen. Ich hoffe diese Eindrücke aus der Welt der Fakten helfen euch durchs Social-Media Chaos. Wenn eines belegt wurde, dann, dass die Darstellung von Mutterschaft eng mit dem Kind verbunden wird und eine meist perfekte, irreale Welt inszeniert, eng verflochten mit traditionellen und meist veralteten Rollenbildern. Heute leben wir aber eine Vielfalt, in der traditionelle Rollenbilder nur einen Ausschnitt von vielen möglichen aus der Realität darstellen.

Ebenso spielen soziale Medien auf unsere Reize an. Wir müssen also darauf achten, was wir konsumieren. Und uns auch immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass hier das Ziel ist in den Bann gezogen zu werden. Davon leben Medien. Manchmal kann es helfen mit einem Ziel auf Social Media zu gehen. Und auch bei einer Entspannungs-Tour über die Suchfunktion, die richtige Bubble zum "Entspannen" zu finden.


Also, weiterhin alles Gute und viel Freude euch beim Scrollen. ;)



Quellen-Links:

Encyclopaedia Britannica (Hrsg.): Elizabeth R. Purdy - Contributor profile, o. D., URL: britannica.com (abgerufen am 11.08.2026).


Weiterführend zum Thema warum negative Information uns mehr erreicht:

 
 
 

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